Hepatobiliäre Chirurgie
(Leber- und Gallenwegschirurgie)

Die Chirurgie der Leber und Gallenwege umfasst ein breites Spektrum sowohl operativer als auch interventioneller Verfahren. Dabei werden vor allem gutartige von bösartigen Erkrankungen unterschieden (D. Barth, 2008).

Erkrankungen

In der Regel werden gutartige (benigne) Neubildungen der Leber nur bei Größenzunahme oder klinischer Relevanz chirurgisch therapiert. Als Beispiele sind hier vor allem Hämangiome (Gefäßneubildungen), die Fokal Noduläre Hyperplasie (knötchenhafte Vergrößerungen von Lebergewebe) und auch Leberzysten (flüssigkeitsgefüllte Hohlräume) zu nennen. Das Leberadenom (gutartiger Lebertumor) sollte aufgrund seiner möglichen Entartungsneigung chirurgisch therapiert werden.


Bösartige (maligne) Neubildungen der Leber sollten in Abhängigkeit des Patientenstatus (Allgemeinbefinden) und der operativen Umsetzbarkeit entfernt werden. Dabei wird die Gruppe der malignen Lebertumoren im Wesentlichen in die lebereigenen und leberfremden Tumoren (Metastasen) unterteilt. Als lebereigene Tumoren sind das hepatozelluläre Karzinom (HCC) und das Gallengangskarzinom (CCC) zu nennen. Bei der Lebermetastasierung werden am häufigsten Metastasen (Absiedlungen) eines Darmtumors beschrieben.

Interdisziplinarität

In interdisziplinärer Zusammenarbeit mit der hiesigen Klinik für Radiologie, Gastroenterologie und der Strahlentherapie wird jeder Patient im Rahmen einer sogenannten Tumorkonferenz individuell besprochen und dann ein Behandlungskonzept erarbeitet.

Leberchirurgie

In Abhängigkeit des Patientenzustandes, aber auch der Lage und Größe des zu entfernenden Leberherdes, gelingt häufig eine lokale Entfernung (Resektion), somit kann gesundes Lebergewebe erhalten bleiben. Aufgrund der Expertise unserer Klinik werden diese Operationen häufig auch laparoskopisch, d. h. minimal-invasiv mit Kamera, durchgeführt.


Im Verlauf der letzten Jahre bis Jahrzehnte konnte die Chirurgie bei kolorektalen Lebermetastasen (Absiedlungen von Darmkrebs in der Leber) das Patientenüberleben (nach 10 Jahren) um über 30 % verbessern (U. Neumann, 2010). Grundlagen hierfür ist vor allem eine Verbesserung in der Leberdiagnostik, die in den 80iger Jahren zunächst aus Ultraschall und CT-Untersuchung bestand. Die Sensitivität (Genauigkeit) von etwaigen Leberherden betrug in diesem Zusammenhang etwa 50 – 70 %. Heutzutage wird eine nahezu 100 %ige Sensitivität durch die deutlich aufwendigere Bildgebung erreicht. Durch die MRT-Untersuchung und aber auch durch ein FDG-PET (-CT) (nuklearmedizinische Untersuchung) kann eine deutlich höhere Genauigkeit in der Diagnostik der Leber erreicht werden. Dies kommt dann wiederum einer besseren Planbarkeit der Operation zu Gute und somit dem Patienten.


Darüber hinaus spielt der intraoperative Ultraschall, d.h. dass die Ultraschallsonde direkt auf die Leber gelegt wird, eine wesentliche Rolle in der modernen Leberchirurgie. Sowohl offen- chirurgisch als auch laparoskopisch können so Herde, welche sich im Leberparenchym befinden, noch besser aufgespürt und von den wesentlichen Blutgefäßen in der Leber begrenzt werden. Eine zielgerichtete Resektion ist somit durchführbar.

Laparoskopische Leberchirurgie

Die laparoskopische Leberchirurgie erlebt dabei eine immer bedeutendere Stellung. In aktuellen Studien zeigt sich ein signifikanter (nachgewiesener) Vorteil im Vergleich zu der offenen Leberchirurgie bei Blutverlust und bei der Krankenhausverweildauer (Qui J, 2013). Eigens durchgeführte Studien konnten diesen Trend untermauern und zeigen darüber hinaus, dass die Komplikationsrate nach laparoskopischen Lebereingriffen deutlich gesenkt werden konnten ( Heuer M, 2015). Dabei waren die onkologischen Ergebnisse identisch. Narbenbrüche, Nachblutungen und Gallelecks zeigen sich signifikant weniger als bei den offenen Verfahren. Diese Ergebnisse konnten in renommierten Fachzeitschriften veröffentlicht werden.
Wichtig ist, dass das operative Verfahren individuell auf den Patienten und dessen Erkrankung abgestimmt wird.

Gallenwegserkrankungen

Aber nicht nur die Leber direkt betreffende Veränderungen können in der hiesigen chirurgischen Klinik mit einer hohen Expertise behandelt werden, sondern auch Gallengangsveränderungen. Diese sind von der „einfachen“ Gallenblasenentfernung bis zur zentralen Gallengangsresektion (Entfernung der Hauptgallengänge) gegeben, somit wird chirurgisch eine große Bandbreite an Erkrankungen der Leber und Gallenwege abgedeckt.


In interdisziplinärer Zusammenarbeit mit der hiesigen Klinik für Gastroenterologie und der Strahlentherapie wird jeder Patient im Rahmen einer sogenannten Tumorkonferenz individuell besprochen und dann ein Behandlungskonzept erarbeitet.