Die Historie zur Orthopädischen Abteilung

Orthopädie (aus dem griechischen orthos = aufrecht und paideia = Erziehung) ist die Lehre der Erkennung und Behandlung von angeborenen und erworbenen Fehlern der Haltungs-und Bewegungsorgane.

Die klinische Orthopädie beginnt mit der Gründung einzelner orthopädischer Anstalten vor etwa 160 Jahren mit Wohnraum für Patienten und Personal, in denen unter ärztlicher Fürsorge "krüppelhafte" Kinder Unterricht und Erziehung sowie mechanische Behandlung durch orthopädische Apparate und "Heilgymnastik" erfahren.

Die Verformung und Entzündungen der Wirbelsäule, die Folgen der Rachitis und die angeborene Hüftgelenksverrenkung werden erforscht, und es werden zum Teil bis heute gültige Behandlungen entwickelt.

Nach dem Ersten Weltkrieg ändert sich der Interessenbereich der Orthopädie. Die Knochen- und Gelenkchirurgie wird dominant. In dieser Zeit wird 1922 in Herten in der Lauf'schen Villa eine orthopädische Anstalt eingerichtet, die als Vestische Klinik für Orthopädie des Landkreises Recklinghausen nach einem umfassenden Umbau 1926 dem St. Elisabeth-Hospital angeschlossen wird. Die Klinik dient der orthopädisch-chirurgischen Behandlung und bietet Platz für 150 Kinder.

Erster Chefarzt der Vestischen Klinik für Orthopädie war Herr Kreisobermedizinalrat Dr. Kleine, der diese Aufgabe bis 1951 ausübte. Ihm folgte Herr Dr. Bernhard Follmer aus Düsseldorf, der nach 23jähriger Tätigkeit das Amt an Herrn Prof. Dr. med. Günter Thomas übergab. Seit dem 1. Januar 1988 wurde die Orthopädische Klinik von Herrn Priv.-Doz. Dr. Helmut Konermann geleitet und ab 01.11.2000 von Herrn Prof. Dr. med. Ralf-Hermann Wittenberg.

In den Anfängen der Vestischen Klinik waren stationäre Behandlungen über Monate bis Jahre üblich, so dass Ärzte und Krankenschwestern den kindlichen Patienten zusätzlich die Familie ersetzen mußten.

Aufgrund der fast lückenlosen Früherkennung und Frühbehandlung von Deformitäten der Gelenke und der Wirbelsäule sind die Kinderstationen immer kleiner geworden.

Dank moderner Behandlungstechniken konnten die früher üblichen monate- bis jahrelangen stationären Behandlungen von Kindern in vielen Fällen auf Tage oder Wochen verkürzt werden

Heute ist die Orthopädische Klinik hochtechnisiert, vorwiegend operativ ausgerichtet und daher ein sehr kostenintensiver Krankenhausbereich, in der die konservativen Behandlungen zwar immer noch einen hohen Stellenwert haben, in denen aber bei immer kürzeren Klinikaufenthalten künstliche Gelenke implantiert und Gelenk- und Weichteilschäden sowie schwere Wirbelsäulenerkrankungen vorzugsweise operativ behandelt werden.

Über 50 Millionen Arbeitsausfalltage sowie 5 Millionen Krankenhaustage werden in Deutschland jährlich durch Verschleißerkrankungen der Gelenke verursacht.

Demgegenüber gewinnt die Altersorthopädie zunehmend an Bedeutung. 1992 wurden allein in Deutschland 100.000 künstliche Hüftgelenke implantiert. Diese Entwicklung wird sich fortsetzen.

Im Jahr 2030 werden bereits 30 % der Bevölkerung älter als 65 Jahre sein und entsprechend werden die degenerativen Erkrankungen der Wirbelsäule und der Gelenke zunehmen.

Im Jahr 2001 sind in der Orthopädischen Abteilung des St.-Elisabeth-Hospitals Herten 4.189 Patienten auf Überweisung von niedergelassenen Orthopäden in der Region ambulant und 2.150 Patienten stationär behandelt worden.

Bei den stationär behandelten Patienten wurden mehr als 1.550 Operationen durchgeführt. Schwerpunkte der operativen Behandlung der Klinik liegen dabei auf dem Gebiet der künstlichen Hüft- und Kniegelenke (Endoprothetik), der mikroinvasiven arthroskopischen Kniegelenkschirurgie, der Wirbelsäulenchirurgie, der operativen Behandlung der Fußdeformität und der Erkrankung des Schultergelenkes.

Die orthopädische Abteilung verfügt über 90 Betten auf insgesamt vier Stationen, wobei auf der Kinderstation die kleinen Patienten durch speziell ausgebildetes Pflegepersonal (Kinderkrankenschwestern) betreut werden.

In der orthopädischen Abteilung arbeiten zur Zeit 12 Ärzte, von denen 8 die Ausbildung zum Facharzt für Orthopädie abgeschlossen haben.

Bei der operativen Behandlung der künstlichen Gelenke spielt seit Jahren mit zunehmender Tendenz, der Wechsel gelockerter Endoprothesen eine wesentliche Rolle. Heute wird schon jede vierte Hüftoperation als Wechseloperation durchgeführt. Um den oft hochgradig geschädigten Knochen am Becken und am Oberschenkel wiederherstellen zu können, unterhalten wir eine eigene Knochenbank, aus der geeignete Spenderknochen entnommen werden können. Der tiefgefrorene konservierte Knochen wird bei der Erstimplantation von künstlichen Gelenken gewonnen. Verwendet wird der Fremdknochen aber erst nach Ausschluss von Entzündungen, Hepatitis oder Aidsinfektion, so dass die Übertragung risikolos vorgenommen werden kann.

Da in der Klinik eine große krankengymnastische Abteilung besteht, ist auch die Rehabilitation nach Operationen und eine konservative Behandlung von Gelenk- und Wirbelsäulenerkrankungen wesentlicher Bestandteil der orthopädischen Therapie.

Zudem verfügt unser Krankenhaus über eine große Physikalische Abteilung mit allen Einrichtungen einschließlich Hydrotherapie, Balneotherapie mit Bewegungsbad und Schwimmbad.